Ein kleiner Sonderstatus

achgolf ist nicht allein. Im Netz finden sich bereits einige Golfpodcasts. Noch noch nicht so viele wie im englischsprachigen Raum, aber wen wundert’s. Golfstun.de gibt jetzt einen Überblick über das Schaffen der podcastenden Golfer.

Wir zitieren: Einen kleinen Sonderstatus hat das Projekt »Achgolf« (http://ach.golf) von Thomas Ihm, einem Journalisten der beim Kulturradio SWR2 arbeitet. In seinem Podcast geht es gemütlich zu und nicht um die ganz aktuellen Golfthemen oder die Touren. Mit angenehmer Stimme spricht er über zeitgeschichtliches Golf und dem »Spirit of the Game«. Thomas hat neben seinem Podcast auch die Hörbücher »Ein Golfjahrhundert später« und »Geliebtes Golf« veröffentlicht.

Ein Anfang ist gemacht

Dont’s for Golfers – ein Klassiker neu entdeckt

Das bringt einem kein Englischlehrer bei. Die Does und die Dont’s sind die versteckten Codes, die einem Briten verraten, ob Sie dazugehören oder einfach nur peinlich sind. Was man tut und was man zu lassen hat, daran definiert sich wahre Klasse.

Kein Wunder, dass sich die Ratgeberlektüre schon früh des Themas angenommen hat. Und so erschienen Anfang des vorigen Jahrhunderts zwei kleine Büchlein der Engländerin Blanche Ebutt (1866-1946): Dont’s for Husbands und Dont’s for Wives (1913).

Darin riet sie ihr z.B.:
“Don’t forget to wish your husband good-morning when he sets off to the office. He will feel the lack of your good-bye kiss all day.”

Und er erhielt etwa diesen Tipp:
“Don’t forget to be your wife’s best friend as well as her husband. True friendship in marriage does away with all sorts of trouble.”

So stand einem glücklichen Eheleben nichts mehr im Weg, außer vielleicht der Golfplatz. Das muss dem Verlag A&C Black in London, der die ersten beiden Bände veröffentlicht hatte, ein paar Jahre später aufgefallen sein und so folgte 1925 das Werk Dont’s for Golfers.

Wer ist Sandy Green?

Der Autor dieser Sammlung von Ratschlägen, Bonmots, Anekdoten und Aphorismen nennt sich Sandy Green. Der Name ist unschwer als Pseudonym zu erkennen. Die Person dahinter lässt sich nicht mehr ermitteln. Die Sprüche sind aus verschiedenen Quellen zusammengetragen worden. Vielleicht stecken auch eigene Erfahrungen darin. Jedenfalls hat der Verlag die drei Büchlein vor ein paar Jahren in riesigen Auflagen in China nachdrucken lassen und für je 2,99 Britische Pfund verkauft. Direkt neben der Ladenkasse im Buchladen.

Ich habe den Text von „Dont’s for Golfers“ ins Deutsche übertragen und hier als Podcast produziert. Natürlich ist es nicht der ganze Text, sondern ein Best-of. Vielleicht findet sich ja irgendwann ein deutscher Verleger, der das Büchlein publizieren möchte. Im Augenblick – so mein Eindruck – ist die Nische der Golfliteratur eher notleidend. Das nimmt der Lektüre jedoch nicht den Spaß. Die klugen Worten Sandy Greens von 1925 sind heute noch aktuell, wahr und unterhaltsam. Bei der Aufnahme hat mir Victor Jackson bei den englischen Zitaten geholfen.

Ein Klassiker, erstmals und nur hier auf Deutsch

Morris, Ball & Taylor

Als Bernhard von Limburger in der Wirtschaftswunderzeit den Deutschen erzählend das Golfspiel nahe bringen wollte, berichtete er auch von den Helden des Sports. Die Ruhmeshalle ist übrigens überraschend groß. Ein Name wird dabei immer an erster Stelle genannt: Old Tom Morris.

Quelle: Wikipedia, Old Tom Morris

Der Schotte Morris war sozusagen Urvater und Universalgenie des Golf. Er arbeitete als Schlägermacher, Greenkeeper und Golfplatz-Architekt, zeugte einen Golfchampion und spielte natürlich auch Golf. Er war der Custodian of the Links, ein Titel, der ihn in St. Andrews in etwa in den Rang eines Halbgotts versetzte. Erst sehr spät, nämlich 1976, fast sieben Jahrzehnte nach seinem Tod, wurde er offiziell golfheilig gesprochen und in die World Golf Hall of Fame aufgenommen.

Quelle: Wikipedia, John Ball

Ein weiterer Held in diesem Podcast ist der Engländer John Ball. Als ich mich mit Limburgers Tochter zum Interview traf, erzählte sie mir, dass sie keine Ahnung habe, wie ihr Vater damals, ohne die heutigen Möglichkeiten, an all die Informationen über diese alten Golfer herangekommen ist. Das ist tatsächlich erstaunlich. Gerade jetzt, wo ich diesen Blog schreibe, finde ich selbstverständlich einen Eintrag über Ball auf der englischen Wikipedia-Seite, aber keinen auf Deutsch.

Quelle: Wikipedia, J.H. Taylor

Biographie Nummer 3 beschäftigt sich mit einem alten Bekannten: J.H. Taylor. Wer den Podcast über die Anfänge des Profigolfs in Deutschland gehört hat, kennt die Schilderung von John Henry Taylor über die German Open auf einer Wiese in Baden-Baden, die eher einem Sumpf glich. Wenn man sich die Herren so anschaut, eingehüllt in Tweed, ausgerüstet mit Schlägern, deren Schäfte aus Holz waren und deren Schlägerköpfe bizarr klein aussehen, dann sieht man schon äußerlich, welch weiten Weg das Spiel seitdem genommen hat.

Die Leute da vorn – der Verlust – die Schläger

Viel Spaß bei drei weiteren Kapiteln von Bernhard von Limburger. Diesmal geht es um den langsamsten Flight auf der Runde, der die unangenehme Eigenschaft hat, immer direkt vor und leider nie hinter einem zu sein. Reicher wird man auf dem Golfplatz immer an Erfahrungen, seltener an Erfolgen, auch damit muss man umgehen können. Das letzte Kapitel dieser Episode beschäftigt sich mit einem Phänomen, dass es so heute nicht mehr gibt. Die Individualität jedes einzelnen Schlägers und wie man zu ihnen eine innige Beziehung aufbaut. In Zeiten, wo die Schlägerköpfe geschmiedet wurden und die Schäfte aus Hickory bestanden, war das hingegen vollkommen normal.

3 Kapitel aus Geliebtes Golf

Solheim-Cup: Frauen und Golf, Golf ohne Frauen

Vom 9. – 15. September wird im schottischen Geneagles der Solheim-Cup 2019 gespielt. Dies ist ohne jede Übertreibung das wichtigste Ereignis im Damengolf. Vor vier Jahren fand das Turnier in der Nähe von Heidelberg statt. Damals hatte ich das Glück, genau zum richtigen Zeitpunkt am 17. Loch von St. Leon-Rot zu stehen und wurde Zeuge, wie der alles entscheidende Putt fiel. Das Foto oben zeigt die Szene kurz danach.

Ich habe in diesem Podcast mal in mein Archiv gegriffen. Am 15.09.2015 lief im Kulturradio SWR2 eine Sendung von mir, in der ich über den bevorstehenden Solheim-Cup informierte. Damals waren die Erwartungen groß. Das Mega-Turnier sollte für ein gesteigertes Interesse am Golfsport im allgemeinen und am Damengolf im besonderen sorgen. Ich hatte mir für die Sendung dann noch ein drittes Ziel gesetzt. In einer Reportage vom Golfplatz trat ich spaßeshalber gegen zwei jugendliche Scratch-Golferinnen an. Damit hatte ich den leibhaftigen Beweis, dass Golf nicht nur ein Sport für „alte weiße Männer“ ist.

Ich dachte mir, dass der Solheim-Cup eine gute Gelegenheit sei, im Vorfeld des Turniers darüber zu berichten. Immerhin war das ein Großereignis im Sendegebiet. Das interessiert auch Nicht-Golfer(innen).

Das Engagement des Golfclubs St. Leon-Rot und dessen Mäzen Dietmar Hopp war und ist vorbildlich – aber die Impulswirkung der Veranstaltung wurde wohl überschätzt. Im Pressezelt des Turniers traf ich damals einen Kollegen, der mir sagte, er habe drei Dörfer weiter ein Zimmer gebucht und niemand dort wisse, was hier los sei. In meinem Lokalblatt wurden die Ergebnisse des Solheim-Cups als vertextete Tabelle unter „ferner liefen“ vermeldet; in einer fast unlesbaren Agenturmeldung. Die Sportredakton hatte wohl besseres zu tun. Eindeutig prominenter wurden an dem Tag alle Fußballmeldungen (von der Bundesliga bis zum Bolzplatz) präsentiert. Irgendwie war die Sache mit der Imagewerbung – trotz des Aufwands – ohne Glück verpufft.

DGV Vorstand 2019; Rätselfrage: Wo ist die Frau?

Für die Sendung hatte ich auch mit Marion Theißen gesprochen. Sie war eine Zeit lang Vizepräsidentin des Deutschen Golfverbandes und eine der ersten Frauen im Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews. Im Interview beklagt sie sich, dass die Zahl der Frauen im Vorstand des DGV unterrepräsentiert sei. Ein Blick auf das aktuelle Foto zeigt: Recht hat sie.

Golf als Volkssport? Der Solheim-Cup 2015, eine verpasste Chance

Wie gut muss man golfen können?

Eigentlich ist das Handicap eine feine Idee. Es gleicht unterschiedliche Spielstärken rechnerisch aus und führt dazu, dass sich bessere und schlechtere Golfer im Wettspiel einigermaßen vergleichen können. Karl Marx, der kein Golfer war, wäre begeistert. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.“ Bitte nicht weitersagen, aber auf dem Golfplatz gilt das sozialistische Leistungsprinzip.

Golf am Kiosk

Wie gut soll man, kann man müsste man golfen können. Die GOLFTIME empfiehlt in der aktuellen Ausgabe gerade, man möge sich doch an Dustin Johnson orientieren. Das ist sicher lieb gemeint, aber ist es auch praktikabel? Zumal im fortgeschrittenen Alter, wenn man neben Golf auch ein paar Lebenserfahrungen zu schätzen gelernt hat?

Tatsächlich ist der Golfer nie mit seinem Handicap zufrieden. Meist ist es zu gut, für seine Tagesform oder zu schlecht. Ein gutes Handicap ziert das Ego, verhindert aber den Turniererfolg, was wiederum dem Ego nicht so gut tut. Es gibt aber auch jene, die ihr Handicap „schonen“, um dann im Turnier aufzutrumpfen und den ehrlichen Golfern die wertvollen Preise vor der Nase wegzuschnappen.

Eugen Pletsch, Foto: O. Hardt 2016

Am besten, man versucht das Handicap ein wenig zu ignorieren, so wie hier bei achgolf. Ein wahrer Meister im Hinterfragen golferischer Schwächen ist der hier schon einmal erwähnte Eugen Pletsch. Pletsch stellt derzeit aus dem Schatz seiner Golfkolumnen eine Sammlung für ein neues Buch zusammen. In diesem Podcast präsentiere ich ältere Texte. Nur so nebenbei: Golftexte altern nicht.

Zitate mit freundlicher Genehmigung des Autors

Bobby Jones‘ Lektionen

Bobby Jones (1902 – 1972) war unter den großen Golfern einer der Allergrößten.  Wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie sehr sich unser Wissen über Golf von dem der Briten und Amerikaner unterscheidet, braucht nichts weiter tun, als sich neben der deutschsprachigen Wikipedia-Seite auch mal die englische Version anzuschauen.

Nach seinen aktiven Jahren als Amateur (er war nie Profi) nahm Jones einen Auftrag als „Golflehrer“ für verschiedene Lehrfilme an. Diese liefen damals im Vorprogramm der Kinos. Und in den letzten Jahren sind sie nach und nach wieder bei Youtube aufgetaucht.

Bobby Jones‘ Schwung war unglaublich ästhetisch. In den Filmen versucht er zu erklären, wie ihm das gelingt. Hier zum Beispiel dem damals sehr beliebten und berühmten Komiker W.C. Fields.

In dieser Folge geht es um ein paar technische Details beim Üben.

Der Slice ist eine Krankheit, die sich nur schwer kurieren lässt – schon damals:

Eine der lustigsten Folgen aus „How I Play Golf“ ist zweifellos die über den Niblick, also dem Vorläufer des Sandwedge.

Es gibt noch sehr viel mehr. Youtube ist eine wahre Fundgrube für historische Golfaufnahmen. Und wem die vorige Folge über die ältere Golfliteratur gefallen hat, dem werden auch diese Aufnahmen gefallen. Es reicht einfach, einen berühmten Namen in die Suchmaske einzugeben.

Wer gezielt nach alten Nachrichtenfilmen, kleineren dokumentarischen Aufnahmen o.ä. suchen möchte, dem empfehle ich neben Youtube gern BRITISH PATÉ.

Der lesende Golfer

„Wer schreibt, der bleibt“, heißt es. Allerdings werden auch Bücher und Autoren gern vergessen – kein Wunder, bei der Unzahl an Büchern, die Jahr für Jahr erscheinen. In diesem Podcast geht es um ein Phänomen, das nur durch die Abwesenheit von Internet, Pay-TV und Billigfliegern erklärbar ist: die Golflektüre. Früher, also vor der Erfindung von Internet, Pay-TV und Billigfliegern war das Lesen die einzige Möglichkeit, auch im Winter bei Schnee und Regen und Frost irgendwie die Verbindung zum Spiel zu halten.

Der erste deutschsprachige Autor, der sich an Golf herantraute, war eigentlich mehr ein Sportpionier und weniger ein Autor. Jedenfalls ist die Lektüre des Golfbuches von Philip Heineken eher ein sporthistorisches denn literarisches Vergnügen.

Dieser Podcast präsentiert Heineken auf unterhaltsame Art. Und weil wir gerade dabei sind, gibt es eine kleine Blütenlese aus der bunten Welt der historischen Golfliteratur.

Golf zum Zählen, Feiern und Gendern

Berühmt, beliebt und besonders – der Herzogliche Golfclub Oberhof war alles.  Aber Thüringen war viele Jahre lang, wie überhaupt die gesamte DDR kein Ort, wo gegolft wurde. Die Kader trafen sich zwar zur Jagd, was darauf hindeutet, dass nicht alles, was als großbürgerlich gilt, von den Kommunisten abgelehnt wurde. Aber beim Golfen sah man Honecker und Mielke nie. Die Golfplätze in der DDR wurden 1951 platt gemacht. Der letzte war der Herzogliche Golfclub Oberhof.

Bernhard von Limburgers Beschreibungen sind da eine Reportage in eine Golfwelt, die untergegangen ist und nicht wieder auferstehen wird. Dann macht er sich Gedanken ob Golf ein Herr oder eine Dame ist. Wir ahnen schon, mit solchen Betrachtungen hat man sich wahrscheinlich beim Kaminfeuer im Oberhofer Clubhaus die Zeit vertrieben.

Golfer in Oberhof, Quelle http://www.herzoglicher-golfclub.de/index.html

Das erste Kapitel über das Zählen, bzw. die kreative Gestaltung von Scorekarten ist jedoch von ungebrochener Aktualität.

Hier begann Profigolf in Deutschland

Im Sport zählt – wie im Theater – immer nur die letzte Vorstellung. Und natürlich die nächste. Sportler sind meist sehr vergesslich, wenn es um die Vergangenheit geht. Dabei sind einige Geschichten ganz schön spannend.

So begann Golf als Profisportart in Deutschland gegen den Willen des Deutschen Golfverbandes. Das erste Profiturnier 1911 war eine Eigensinnigkeit des Golfclubs Baden-Baden und der Stadt. Im Grunde war es eine Marketing-Maßnahme für den Kurort, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Reichen, sie Sehr-Reichen und die Adligen anzog.

Das Gewerbegebiet links vom Bahnhof liegt auf golfhistorischem Boden

In diesem Podcast besuche ich den Ort, an dem 1911 Harry Vardon einen Weltrekord spielte und 1912 John Henry Taylor das höchste Preisgeld aller Zeiten kassierte.  Zwei der damals größten Golfer der Welt in einem Land, in dem kaum jemand wusste, was Golf eigentlich ist.

Der erste Golfplatz in Baden-Baden heute. Wie bei der German Open 1912: „zeitweiliges Wasser“

Unbedingt hörenswert: Taylors Beschreibung von ziemlich katastrophalen Runden bei der 2. German Open. Im zweiten Teil des Podcasts verlassen wir den Ursprungsort und des Profigolfs in Deutschland und schauen uns den heutigen Platz an. Auch hier wurde vor dem 2. Weltkrieg noch „Golfgeschichte“ geschrieben.

Der Platz in Baden-Baden heute: Immerhin Schauplatz einer German Open und eines Olympischen Golfturniers

Mitte/Ende der Zwanziger Jahre konnte man mit dem Zeppelin nach Baden-Baden reisen. Da war der Golfplatz im Weg. Die Landefläche war gleich beim Bahnhof, von dort ging es weiter mit der Bahn in die Innenstadt. Der dortige Bahnhof ist heute das Festspielhaus.

Der Umzug in den Schwarzwald hat das Spiel zweifellos interessanter gemacht. Meistens steht man irgendwo auf schrägem Gelände. Und dann muss man auch noch sehr präzise spielen.

Richtig geeignet war der Platz im Stadtteil Oos draußen vor der Stadt eigentlich nie. Bei Sonnenschein knüppelhart, bei Regen matschig. Der neue Platz ist nicht frei von diesen Qualitäten, aber doch angenehmer zu spielen. Das bestrafende Design wurde über die Jahre ein wenig entschärft, so dass die Bälle heute eine gute Chance haben, durchgängig auf der Spielbahn zu bleiben.