Corona & Golf

„Die Bevölkerung in die Bude einsperren, dafür gibt es keine virulogische Begründung.“ Das sagt wörtlich der renommierte Virologe Alexander Kekulé, Direktor des Institutes für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in der Anne-Will-Talkshow. Dauer-Wohnungsinsassen drohe sonst der Psycho-Koller. Der Experte betont, jeder müsse zwischendurch raus, an die frische Luft. So lange sich da keine Gruppen versammeln würden, sondern das im Alleingang oder innerhalb der Familie geschehe. Damit wäre der Golfplatz eigentlich ideal, um die Zeiten der Selbstisolierung mit etwas Entspannung vom Corona-Stress zu füllen.

In Baden-Württemberg hieß es zuerst: „Geschlossenen werden demnach : „Fitnessstudios und sonstige Sportstätten in geschlossenen Räumen„. Damit blieben Golf oder Tennis weiter erlaubt. Doch einen Tag später hieß es „alle öffentlichen und privaten Sportanlagen und Sportstätten, insbesondere Fitnessstudios, und ähnliche Einrichtungen“ seien zu schließen. Hier wurde also der Begriff „in geschlossenen Räumen“ durch eine Formulierung ersetzt, die den Anschein größerer Genauigkeit erweckt, aber das Gegenteil erreicht. Damit ist auch der Betrieb eines privaten Fitnessraums im eigenen Haus bei genauer Auslegung verboten!

Durch die Verschärfung der ursprünglichen Verordnung hat nun der Staat die Golfplätze ebenfalls geschlossen. Besser wäre es, die Sportstätten wieder zu öffnen. Nicht nur die Golfplätze, sondern auch Tennisplätze oder Leichtathletik-Anlagen. Individualsport outdoor ist nicht ansteckend!

In der Lichtentaler Allee in Baden-Baden, einem Naturpark, ist jetzt die Fitnessstation gesperrt. Gerade hat mir einer meiner Golffreunde diese Fotos geschickt. Also: Liegestütze vor der Absperrung sind erlaubt, hinter der Absperrung sind sie ein Infektionsrisiko?

Fitness unter Strafe verboten!
Was will uns die Landesregierung damit sagen?

Was bei einem Spielplatz Sinn macht, weil man Kindern kaum vorschreiben kann, social distancing zu praktizieren, ist bei Erwachsen sinnfrei. Es sei denn, der Staat glaubt, seine Bürger wie Kinder behandeln zu müssen.

Gerade Sportler haben einen sehr wachen Sinn für Fairness, Regeltreue und Kameradschaft. Lasst uns herausfinden, wie wir unsere Sportarten in Zeiten von Corona pflegen können. Turniere müssen abgesagt werden. Das Clubhaus wird geschlossen. Statt Viererflights gehen vielleicht nur Dreier- oder Zweierflights auf die Runde. Das können keine Bürokraten in der Staatskanzlei entscheiden, das müssen wir selbst tun. Natürlich wird nicht alles so weitergehen, wie bisher. Aber stattdessen alles zu verbieten ist schlicht und einfach falsch. Man kann es auch anders ausdrücken: Unser Gemeinwesen beruht auf einer Balance zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Und es beruht auf der Gewaltenteilung, also der Trennung von Exekutive, Legislative und Judikative. Natürlich ist die Krise die Stunde der Exekutive – aber auf Kosten der Demokratie zu überleben, ruiniert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch unsere Kultur.

Eine Antwort auf „Corona & Golf“

  1. Danke für den treffenden und unterhaltsamen Beitrag, der etwas Aufmerksamkeit seitens der Verantwortlichen in den Clubs und vor allem im Deutschen Golfverband wahrlich verdient hätte. Bisweilen hat man den Eindruck, dass manche Zeitgenossen im Angesicht der Corona-Gefahren das Nachdenken eingestellt haben. Eine Versachlichung der Debatte über sinnvolle und unsinnige Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus wäre dringend geboten, denn wir müssen uns eher auf Monate als auf Wochen mit Einschränkungen einstellen. Und wirkungslose oder unbegründete Maßnahmen erhöhen wohl kaum das Verständnis für das wirklich Notwendige.

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