Caddies

Ein wesentliches Merkmal der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts waren die Domestiken. Für vermögende Haushalte war es selbstverständlich, Haushaltshilfen zu beschäftigen. Nach und nach wurden diese Hilfskräfte durch Waschmaschinen, Geschirrspüler, Dampfbügeleisen, elektrische Rasenmäher, Schlagbohrmaschinen, Kaffeeautomaten und schließlich, am Ende einer langen, langen Periode durch Alexa ersetzt. Mit der sprechenden Maschine ist man nun wieder an dem Punkt, wo man schon mal war: Alexa, mach bitte das Licht aus.

Beim Golf halten sich die Traditionen etwas länger. So nahm der älteste Golfclub der Welt erst im 275. Jahr seines Bestehens endlich auch Frauen auf. Eine weitere Tradition hält sich eigentlich nur noch im Profigolf: die Unterstützung eines Spielers durch den Caddy. Diese Caddies allerdings sind selber meist exzellente Golfer und ihre Dienste gehen weit über das Tragen einer Tasche hinaus.

Im asiatischen Raum ist der Caddy, bzw. die Caddy dagegen immer noch eine Institution. Das habe ich gerade wieder auf dem Bali National Golf Course erlebt. Mit drei Australiern und vier Damen habe ich diesen großartigen Kurs gespielt. Beim Betrachten des Fotos habe ich versucht, meine Caddy/Caddy-ette/Caddy-esse/Caddy-rin (wie nennt man das eigentlich?) zu identifizieren, es ist mir nicht gelungen.

Who is it?

Konsequenterweise bin ich dann während der Runde häufig auf das Golfcart zugelaufen, bei dem ich meine Caddydame vermutete, und wurde dann regelmäßig durch den Ruf „other cart“ am Betreten gehindert. Meine Dame erwies sich dann bei der Auswahl der Schläger und dem Lesen der Puttlinie doch als recht hilfreich.

Das seltsame Kostüm, bestehend aus Plastikhose, Handschuhen, Shirt, Jacke und Meta-Sonnenschirm-Cap war trotz der 30 Grad Celsius offenbar keine Belastung für die Damen. Während wir uns am Ende einer langen, heißen Runde von Loch zu Loch kämpften, wurden die vier Frauen immer heiterer und gesprächiger – untereinander natürlich.

Wenn auch spielerisch durchaus vorteilhaft, schien mir der Auftritt unserer Caddies doch eher folkloristisch beeinflusst zu sein. Aber auch das entspricht einer Tradition, wie man in Limmys Beschreibungen des Herzoglichen Golfclubs Oberhof (in einem früheren Podcast) hören kann.

In einem Land wie Indonesien weiß man nie so recht, welche Preise für welche Leistung angemessen sind. Eine Golfrunde kostet in etwa so viel wie das Monatsgehalt eines Hotelangestellten. Für die Reinigung von drei Kilo Wäsche habe ich in einer lokalen „Laundry“ weniger als zwei Euro gezahlt und anschließend im Hotel ein Bier für das dreifache Geld getrunken. Trinkgelder sind ein Problem – möchte man zuviel, zu wenig oder genau das Richtige geben, und wie weiß man überhaupt, wie viel Trinkgeld etwa ein Caddy verdient? (Das Problem wird schon in der älteren Golfliteratur ausführlich besprochen. Zu hohe Trinkgelder verderben die Preise, zu niedrige beleidigen den Caddy.) Also habe ich meinen Spiel- und Cartpartner Mark gefragt, der als Australier schon häufig auf Bali gespielt hat. 100.000 IDR sagte Mark, also etwa 6,30 €. Das sei großzügig, sehr großzügig.

Marks back on the front nine.

Aber meine Dame verzog nur den Mund, und verlangte erst einmal das Doppelte. Dann ging sie zum Starterhäuschen, wo in einem versteckten Winkel ein kleiner Zettel klebte: „suggested tip 200.000 IDR“. Das ist deutlich mehr als der Tagesverdienst des o.g. Hotelangestellen. Wir haben das dann bezahlt, und die Dame (eine von den vieren) hat dann auch wieder ein Lächeln aufgesetzt; aber statt im Clubhaus anschließend von unseren Heldentaten zu reden (Ich habe zwei Birdies gespielt!) ging das Gespräch dann nur noch um Geldfragen.

Und dennoch habe ich diese Runde mit Caddy genossen. Die junge Dame hatte Charme, kannte sich aus und teilte bereitwillig meine Freude über gelegentliche Pars und Birdies und schenkte mir auch für den einen oder anderen Bogey ein anerkennendes Lächeln. Kaum vorstellbar, dass ich besser dran gewesen wäre, wenn ich ohne sie sondern mit einem rollenden, elektrifizierten Titangestänge plus Golfuhr plus Laserentfernungsmesser unterwegs gewesen wäre.

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