Kluge Freunde

Podcaster halten zusammen. Und verstehen einander. Aber wenn der eine Podcaster den anderen podcastet, dann wird’s schon mal ein Minütchen länger. Dabei haben wir uns einfach nur gut verstanden, der Guido Bellberg und ich.

Bellberg ist der Macher von KLUGE FREUNDE. Er schreibt in der WELT über Autos und Mobilität, macht Werbetexte und unterrichtet Studierende. Und das alles in Kiel. Vor einiger Zeit war er zu Gast in einer meiner Sendungen im Kulturradio SWR2 wo wir uns über die Frage „Wohin steuert das Auto?“ unterhalten haben. (Auch diese Sendung ist inzwischen ein Podcast, aber zuerst war Sie natürlich ein Stück Radio.)

Kluge Freunde, coole Typen

Für den KLUGE-FREUNDE-PODCAST wollten wir einfach mal ein unbeschwertes Benzingespräch führen, frei von Klimascham und Stauängsten. Das ist uns fast gelungen, denn im ersten Teil unterhalten wir uns aus Versehen über Golf (das Spiel, nicht das Auto, obwohl das später auch auftaucht). Und so kamen dann, siehe oben, ein paar Minütchen mehr zusammen.

So nach und nach wächst meine Freude am Podcasten. Da es – anders als beim Radio – keine vorgeschriebene Form gibt, hat man alle Freiheiten. Man darf sich innerhalb der Formate des Hörfunks oder Hörbuchs bewegen, aber gleichzeitig darf, kann und sollte man diese auch verlassen. Das Youtube-Video unseres Geplauders finden Sie hier, auf den üblichen Plattformen oder auf Bellbergs o.g. Homepage.

Brexit und Golf

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland verlässt die Europäische Union. Der politische Kampf über das „Wie und Warum“ oder „Warum auch nicht“ oder „Hätte man nur“ oder „könnte man nicht“ hat für mehr als drei Jahre die britische Innenpolitik ruiniert. Und das wird nie nicht aufhören. Es ist ein Kennzeichen von Geschichte, dass Dinge, einmal angefangen, nicht mehr enden. Die alten Griechen oder die Römer beispielsweise, ihre Reiche sind längst untergegangen, und doch verzieren bis heute ihre Säulen unsere Gebäude, lernen Schüler bis heute ihre Sprache und zieht Boris Johnson in seinen Reden bis heute das Beispiel antiker Sagengestalten heran. „Get Brexit done“ sagt Boris Johnson und mit ihm die Gemeinde der Brexiteers. „Get Antiquity done“, das wäre einmal ein frommer Wunsch, jedenfalls für alle, die widerwillig Latein lernen mussten.

Brexit – der Kanal als europäische Penalty Area

Was also hat der Brexit mit Golf zu tun? Eine kurze Analyse von Achgolf zeigt, überraschend wenig. Wir Golfer können durchatmen.

  1. Der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews, kurz R&A kann trotz Brexit seine Tätigkeit ungehindert fortsetzen. Die besteht vor allem darin, die Regeln für das Spiel zu pflegen und weiter zu entwickeln. Das Beiwort „Royal“ ist durch einen harten Brexit nicht gefährdet. Selbst wenn Schottland, dass mit großer Mehrheit für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt hat, irgendwann das United Kingdom verlässt, bleibt Queen Elisabeth bzw. ihr Nachfolger Staatsoberhaupt in Schottland. Traditionell werden im Sport die Regeln von Menschen gemacht, die in keinster Weise demokratisch legitimiert sind. Das hat noch nie jemanden gestört. Niemand fordert ein Referendum. Insofern bleibt auch beim Golf und bei den Golfregeln alles beim Alten.
  2. Golfreisen nach Schottland, Nordirland, Wales oder England werden vielleicht etwas teurer werden, dafür aber durch den möglicherweise fallenden Pfundkurs dann wieder billiger. So oder so werden Golfer mit ihrem Sondergepäck wie üblich ewig am Gepäck-Karussell am Flughafen stehen und auf die Auslieferung ihres sperrigen Sportgeräts warten. Dann ist es auch egal, wenn man länger an der Passkontrolle ansteht.
  3. Die Greenfee-Politik der britischen Clubs wird sich nicht ändern. Eine Zeitlang vertrat das Vereinigte Königreich die Auffassung, man könne aus einem Club austreten und dennoch weiter das Spielfeld benutzen. Natürlich ohne zu bezahlen, denn Bezahlen, das wäre eine nicht mehr hinnehmbare Einschränkung der Souveränität. Greenfee-Spieler aus Europa, die glaubten, sie könnten nun ihrerseits in jeden Club gehen und eine Vorzugsbehandlung verlangen, ohne dafür zahlen zu müssen, werden enttäuscht. Diese Regel, die den Spitznamen „to have the cake and eat it” genannt wird, sollte nur für Briten gelten, die auf dem Festland unterwegs sind. Und sie bezog sich nie auf Golfclubs, sondern nur auf einen einzigen politischen Club: die Europäische Union.
  4. Golfschläger sind sowieso schon teurer, als sie sein müssten. Die großen Hersteller lassen ihre Produkte billig in China fertigen und verkaufen sie teuer andernorts. Wenn die Preise nun noch weiter nach oben gehen, dann liegt das nicht am Brexit, sondern am Handelskrieg zwischen USA und China. Mit einer Einschränkung: Der größte Händler für gebrauchte Golfschläger, die Firma „Golfbidder“ hat ihren Sitz in London. Es könnte also sein, dass in Zukunft Zollvorschriften Kauf und gegebenenfalls Rücksendung von Schlägern teurer und bürokratischer machen. Dann wäre dieses Geschäftsmodell für Europäer unattraktiv und man müsste sich wieder bei Ebay auf die Suche machen.
  5. Die Bewohner von Gibraltar werden durch den Brexit golfpolitisch isoliert. Es gibt 10 Golfplätze in der Nähe, doch dazu müssen die Briten dort ihre kleine Halbinsel verlassen und die Grenze zu Spanien überqueren. Die wird zukünftig eine Außengrenze der Europäischen Union sein. Der Grenzübertritt erschwert künftig nicht nur das Schmuggeln von Zigaretten von Gibraltar nach Spanien, sondern möglicherweise auch die gebuchte Tee-Time.
  6. Die Golfsprache wird sich durch den Brexit nicht ändern. Das Eindeutschen englischer Begriffe, wie zum Beispiel „Treibschlag“ statt „Drive“ oder „Rauhes“ statt „Rough“ hat sich nicht durchgesetzt und findet sich nur noch in der frühen Golfliteratur, zum Beispiel in den Erzählungen von Bernhard von Limburger.
  7. Der Ryder-Cup und der Solheim-Cup werden auch nach dem Brexit ein Duell der Kontinente bleiben, ein Kampf zwischen den USA und Europa. Zum Glück macht die Sportwelt nicht jeden politischen Unsinn mit. Und doch könnte es zu einer Trennung zwischen Europa und Britannien kommen. Das liegt aber daran, dass der Kontinent im Spitzengolf weniger Talente hervorbringt als die Insel. Auch deshalb ist es wichtig, dass alle verbleibenden Länder der Europäischen Union die Republik Irland nicht im Stich lassen, denn von dort kommen immer wieder Weltklassegolfer.
  8. Golf bleibt Golf. Golfplätze waren schon immer eine Parallelwelt, in der besondere Spiel- und Verhaltensregeln gelten. Ein besonderer Reiz des Spiels besteht ja gerade darin, dass man sich mit seinen Mitspielern nicht über Politik, Beruf, Familie oder Autos unterhalten muss. Wenn sich der Golfsport vor etwas fürchten sollte, dann ist es nicht der Brexit, sondern der Klimawandel. Die Gräser müssen mit Dürreperioden fertig werden, oder die Clubs mit den hohen Kosten einer Beregnung. Der Düngemittelverbrauch auf Golfplätzen ist seit jeher ein Reizthema. Pflegeintensive Gräser sehen zwar schöner aus, aber auf lange Sicht braucht es robuste Sorten – und Spieler, die in einem heißen Sommer auch mal Brauntöne auf dem Fairway akzeptieren. Wenn die Briten nach dem Brexit nicht mehr an die Umweltvorgaben der EU gebunden sind, können sie ihre Plätze theoretisch düngen, wie sie wollen. Die Frage ist dann aber wirklich, ob sie das auch wollen. Denn in der Klimapolitik sind uns die Briten weit voraus.